Erbauung

Die Villa wurde im Auftrag des Industriellen Friedrich („Fritz“) Regenstreif zwischen 1913 und 1917 vom Architekten Friedrich Ohmann im romantischen Stil mit leicht barockisierenden Elementen, besonders bei den Gestaltungen den Dächer, erbaut.

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Die Ausstattung des Herrenhauses war prachtvoll, die weitläufigen Salons und Privaträume waren durchwegs mit künstlerisch ausgestalteten Holzpanelen und Marmorplatten verkleidet. Im Kellergeschoß waren unter anderem ein eigener Kinosaal, eine Kegelbahn sowie eine Orangerie untergebracht. Die Villa war auf allen Seiten von einer 2 ha großen Gartenanlage mit Bäumen umgeben, viele Skulpturen verzierten die Fassade und den Garten. Zu den Nebengebäuden zählten das Pförtnerhaus, ein Garagengebäude mit eigener Werkstatt, ein gläsernes Palmenhaus, mehrere Pavillons sowie ein Schwimmbad.

ehem. Einfahrt Starkfiedgasse 15


2. Weltkrieg - Enteignung, Plünderung und Zerstörung

Im März 1941 musste Friedrich Regenstreif die Liegenschaft (das Gebäude und etwa 2 ha Grund) mitsamt ihrem wertvollem Inventar für umgerechnet 550.000,- Reichsmark an die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront (DAF) verkaufen. Kurz darauf verstarb er.

Mit Unterstützung der Familienanwälte konnte das Verlassenschaftsverfahren nach noch in einigermaßen geordneten Bahnen im Laufe des Jahres 1941 abgewickelt werden. Im März 1942 musste sein Sohn und Erbe Paul Regenstreif jedoch vor der NS-Verfolgung aus Wien flüchten. Im September 1942 emigrierte Friedrich Regenstreifs Tochter und Erbin Ellen Illich - zu diesem Zeitpunkt italienische Staatsbürgerin - mit ihren drei minderjährigen Kindern über Split nach Florenz.

Nachdem Magda Goebbels, die Frau von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, kurzzeitig Interesse am Erwerb der Liegenschaft gezeigt hatte, ging diese im Jahr 1943 auf die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) über. Diese plante auf dem Areal die Errichtung eines Erholungsheimes für kriegsversehrte Offiziere der Deutschen Wehrmacht (Pressemitteilung Entscheidung Nr. 531/2009, Schiedsinstanz für Naturalrestitution).

Sofort nach Bekanntwerden von Magda Goebbels Interessen hatte die DAF damit begonnen, das kostbare Inventar nach Berlin abzutransportieren. Die wertvollen Holzvertäfelungen der Decken und Wände wurden mit Äxten entfernt und verbrannt, die verbleibende Innengestaltung total geplündert. Schließlich wurden provisorisch kleine Bürokabinen eingerichtet, die von der NSDAP-Organisation Nationalsozialistische Volkswohlfahrt von 1943 bis zur Befreiung Wiens 1945 genutzt wurden (Wikipedia).

Von 1945 bis 1955 wurde das Gebäude durch die US-Behörden gemietet und als Offiziers-Club für die amerikanischen Fliegeroffiziere genutzt.

Nachkriegszeit und Restitution

Der aus Ungarn nach Österreich zurückgekehrte Paul Regenstreif erhielt im Jahr 1948 seinem Erbteil entsprechend die Hälfte der Liegenschaft ohne weitere Auflagen zurückgestellt, da er den aus dem Verkauf an die DAF zustehenden Kaufpreisteil von 275.000,- Reichsmark nicht erhalten hatte. Unmittelbar nach der Rückstellung verschenkte er seinen Anteil an seine Frau Therese.

Die andere Hälfte wurde im selben Jahr von Ellen Illich beansprucht, die sich weiterhin in Italien befand. Die zuständige Finanzlandesdirektion (FLD) für Wien, Niederösterreich und das Burgenland entschied im November 1949 ebenfalls auf Rückstellung, jedoch mit der Auflage, dass der Kaufpreisteil von 250.000,- Reichsmark zurückgezahlt wird. Der von Ellen Illich erhobenen Berufung gegen diese Auflage wurde stattgegeben. Die Berufungsbehörde ließ die Rückzahlungspflicht zwar aufrecht, erlaubte allerdings die Verrechnung mit den in der NS-Zeit an der Villa entstandenen Schäden an der Innenarchitektur. Diese waren teils durch mutwillige Zerstörung, teils durch zweckentfremdende Umbauten entstanden. Nach einer zeitaufwändigen Ermittlung der genauen Schadenshöhe schloss die Republik Österreich mit Ellen Illich einen Vergleich, aus dem hervorging, dass der entstandene Schaden den Betrag von 250.000,- Schilling übersteige, weswegen die Rückzahlungspflicht entfiel. Weiters erhielt Ellen Illich Mieteinnahmen von rund 55.000,- Schilling ausbezahlt. Im Jahre 1954 verkaufte Ellen Illich ihre Liegenschaftshälfte an ihre Schwägerin Therese Regenstreif. Nach mehreren weiteren Verkäufen gelangte der größte Teil der Liegenschaft in den 1960er Jahren in den Besitz der Bundeswirtschaftskammer.

1960er-Jahre bis heute

Anfang der 1960er Jahre war die Villa Regenstreif als Dienstvilla für den damaligen Bundespräsidenten Adolf Schärf im Gespräch. Am 17. März 1964 brach schließlich bei Renovierungsarbeiten ein Brand aus, der zum Abriss des Gebäudes führte. Heute befinden sich das BOKUHEIM und Studentenheim Starkfriedgasse der Akademikerhilfe an der Stelle der ehemaligen Villa.

Bis heute erhalten geblieben sind nur das Pförtnerhaus (Pötzleinsdorferstraße 36), ein Wasserbassin (der ehemalige Springbrunnen) ein Pavillon, Mauern, einige Laternen.

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Quellen

  • Ivan Illich: Verlust von Welt und Fleisch o.O., 1938; Sascha Illich: Our Pötz: Pictures of my Grandfathers Villa in Pötzleinsdorf, Vienna.
  • saschapress, 2007; Österreichischer Nationalfond, Schiedsinstanz für Naturalrestitution, Entscheidungsnummer 531/2009
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Regenstreif; Pressemitteilung Entscheidung Nr. 531/2009, Schiedsinstanz für Naturalrestitution
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